Reuters sprach mit rund zwei Dutzend in der EU lebenden Russen oder deren Anwälten, denen Banken Konten verweigerten oder kündigten, obwohl sie selbst nicht sanktioniert waren.
Am 14. Februar 2025 veröffentlichte Reuters einen Bericht der Korrespondenten Francesco Canepa und Anton Zverev über in der Europäischen Union lebende Russen, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 kein Bankkonto eröffnen konnten oder deren Konto gekündigt wurde. Die beschriebenen Personen standen selbst nicht unter Sanktionen. Die Nachrichtenagentur erklärte, sie habe mit rund zwei Dutzend im Ausland lebenden Russen oder deren Anwälten gesprochen, in Ländern von Portugal bis Finnland.
Svetlana Sarantseva, russische Staatsangehörige, hatte Russland 30 Jahre zuvor verlassen und zog 2021 nach Portugal. Ab April 2022 fragte sie bei sechs Banken an. Die Digitalbank Moey! erklärte, sie arbeite nur mit portugiesischen Staatsangehörigen. N26 verweigerte ein Gemeinschaftskonto mit ihrem deutschen Ehemann unter Verweis auf ihre Staatsangehörigkeit. Bankinter verwies auf fehlendes geschäftliches Interesse.
Ihr Ehemann Stefan Zwanzger beschwerte sich bei Aufsichtsbehörden und Politikern in Portugal und in Deutschland und eröffnete für sie schließlich ein portugiesisches Konto, nachdem er Bankmanager über soziale Medien angeschrieben hatte.
Yuri Vasiliev, ein russischer Oppositionsaktivist, der mit einem humanitären Visum in Polen lebt, wurde von PKO Bank Polski, mBank sowie den örtlichen Einheiten von Santander, Credit Agricole und Citibank abgelehnt.
Die Banken schilderten es Reuters unterschiedlich. N26 erklärte, man müsse strenge Branchenstandards und Richtlinien einhalten, die je nach Staatsangehörigkeit verschieden seien. Moey! bestätigte, nur mit portugiesischen Staatsangehörigen zu arbeiten, erklärte aber, die Muttergesellschaft Credito Agricola (Portugal) bediene mit ihrem Filialgeschäft einen breiteren Kreis von Einwohnern; zu einzelnen Kunden äußerten sich beide Banken nicht. Bankinter, eine spanische Bank mit Geschäft in Portugal, antwortete nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Credit Agricole Bank Poland, ein von Portugals Credito Agricola getrenntes Institut, erklärte, es gebe keine Regel, die russische Staatsangehörige ausschließe, die Bank könne die Eröffnung eines Kontos aber nach den Gesetzen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ablehnen. Die vier weiteren Banken auf dem polnischen Markt antworteten nicht.
Die deutsche Finanzaufsicht teilte Reuters mit, sie erhalte jedes Jahr Hunderte Beschwerden von Menschen, die von Banken abgelehnt wurden, und Tausende über geschlossene Konten, führe aber keine Aufzeichnungen über die Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführer. Die Banco de Portugal erklärte, es gebe kein pauschales Verbot russischer Kunden, die nicht unter Sanktionen stehen, unbeschadet der internen Risikomanagementregeln der Banken. Die Europäische Kommission erklärte, sie habe nicht viele solcher Beschwerden von russischen Staatsangehörigen erhalten, gehe den eingegangenen aber mit den nationalen Behörden nach.
Gera Ugryumova, Leiterin der italienischen Bürgerrechtsorganisation Iskra, sagte, ihre Organisation habe geholfen, rund 5.000 Bankentscheidungen gegen Russen rückgängig zu machen, und habe seit dem Einmarsch Klagen gegen 42 Kreditinstitute vorbereitet.
Reuters wies darauf hin, dass EU-Regeln Verbrauchern mit rechtmäßigem Wohnsitz in der Union ein Zahlungskonto mit grundlegenden Funktionen zusichern und dass der Leitfaden der Europäischen Kommission zu diesem Recht auch Russen erfasst. Die Agentur wies zudem darauf hin, dass für Russen und Belarussen ohne Aufenthaltstitel nach den Sanktionen eine Einlagenobergrenze von 100.000 Euro gilt und dass Staatsangehörige von Ländern wie Iran und Syrien, die ebenfalls von Sanktionen betroffen sind, seit Langem auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen.
Quellen
Stand der Dinge
Berichtet, nicht entschieden: Der Artikel hält zu keinem der Einzelfälle eine Feststellung einer Aufsichtsbehörde oder ein Gerichtsurteil fest, und Sarantseva erhielt schließlich ein portugiesisches Konto. Ein Widerruf oder eine inhaltliche Korrektur war nicht auffindbar; Reuters gab die Meldung erneut heraus, um einen abgeschnittenen Satz in Absatz 24 zu vervollständigen, der in manchen Nachdrucken als Fragment "The European Commission said it was aware of" erscheint. Das Reuters-Original steht unter https://www.reuters.com/world/europe/europe-ordinary-russians-are-shunned-by-wary-banks-2025-02-14/ und beantwortet automatisierte Abrufe mit HTTP 401; dieser Eintrag wurde gegen den Nachdruck unter https://www.thestar.com.my/news/world/2025/02/14/in-europe-ordinary-russians-are-shunned-by-wary-banks geprüft.