Vier deutsche Umfragereihen liefern datierte Werte zum russischen Staat von 1996 bis 2026. Zu den Russen als Volk stellt keine von ihnen eine Langzeitfrage.
Das Institut für Demoskopie Allensbach stellt den Deutschen eine schlichte Frage über andere Völker: "Einmal ganz allgemein gefragt: Mögen Sie eigentlich die Franzosen/Polen/Griechen, oder mögen Sie sie nicht besonders?" Zu den Franzosen wird sie seit 1977 gestellt. In der veröffentlichten Dokumentation wurde sie nicht zu den Russen gestellt. Zum russischen Staat reichen datierte Werte bis 1996 zurück, doch die Reihen sind nicht lückenlos: der Wert von 1996 stammt aus Allensbachs Frage "Ist Russland heute noch eine Weltmacht?", die Messwerte für 1996, 2000, 2001, 2003, 2004, April und September 2008, April 2014 und März 2015 hat; Pew stellte den Deutschen die Frage nach der Meinung über Russland 2008, 2016 und 2021 nicht; für 2009-2010, 2012 und Januar bis Oktober 2013 wurde kein veröffentlichter DeutschlandTrend-Wert gefunden, was kein Beleg dafür ist, dass die Frage nicht gestellt wurde, und das Institut selbst weist darauf hin, dass sie zwischen September 2019 und Dezember 2021 nicht gestellt wurde.
Vier Langzeitreihen tragen diese datierten Werte. Allensbach befragt persönlich nach Quotenauswahl rund 1.000 bis 1.600 Einwohner ab 16 Jahren, dokumentiert in den monatlichen Berichten für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und seit 2011 im jährlichen Sicherheitsreport für das Centrum für Strategie und Höhere Führung. Der ARD-DeutschlandTrend (infratest dimap) befragt telefonisch rund 1.000 Wahlberechtigte ab 18 Jahren, seit 2022 telefonisch und online. Der Global Attitudes Survey des Pew Research Center befragt telefonisch jährlich rund 1.000 Deutsche. Das ZDF-Politbarometer (Forschungsgruppe Wahlen) stellt anlassbezogene Russland-Fragen statt einer festen Frage; geprüft wurden mehr als 300 Monatsausgaben der Jahre 2004 bis 2026.
Bis 2010 fielen die Werte warm aus. Im Mai 2004 erwarteten 65 Prozent der Deutschen auf lange Sicht ein gutes Verhältnis zwischen Russland und Deutschland, 12 Prozent nicht, 23 Prozent waren unentschieden (Allensbach, IfD 7056); im September 2008 stand dieselbe Frage bei 45, 25 und 30 Prozent (IfD 10025). Im März 2005 nannten 7 Prozent Russland unter den Ländern, die den Weltfrieden am stärksten bedrohen, 2010 waren es 9 Prozent. Im August 2008 nannten 63 Prozent die deutsch-russischen Beziehungen gut und 25 Prozent schlecht (Politbarometer, 12.-14. August 2008, n=1.263). 2007 nannten 45 Prozent Russland ein Land, mit dem Deutschland möglichst eng zusammenarbeiten sollte, 2009 waren es 55 Prozent. Im April 2010 hatten 50 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von Russland, 44 Prozent eine negative (Pew, 15.-30. April 2010, n=750).
Der Rückgang hatte vor 2014 begonnen. Der Anteil, der Russland als gewünschten Kooperationspartner nannte, lag im Juli 2011 bei 35 Prozent (2.-15. Juli 2011, IfD 10075; hinter Frankreich mit 55, den USA mit 52, Großbritannien mit 36 und China mit 34 Prozent) und im Januar 2013 bei 38 Prozent; die Meinung über Putin, gut gegen nicht gut, stand 2011 bei 9 zu 48; Pew verzeichnete 2011 47 Prozent positive gegen 48 Prozent negative Meinungen und 2012 33 Prozent positive. In der Allensbach-Umfrage vom 1. bis 11. September 2014 (n=1.530, IfD 11029) nannten 55 Prozent Russland unter den größten Bedrohungen des Weltfriedens; der Irak stand bei 62 Prozent, Syrien bei 45 Prozent, Israel bei 42 Prozent und die USA bei 14 Prozent. Der Kooperationsanteil ging im April 2014 auf 32 Prozent und im September desselben Jahres auf 27 Prozent. Der Anteil der Deutschen, die das Verhältnis zu Russland gut nannten, lag 2008 bei 55 Prozent, im April 2014 bei 15 Prozent, im März 2015 bei 8 Prozent; wer es weniger gut oder nicht gut nannte, machte 33, 76 und 88 Prozent aus. Pew verzeichnete 2014 19 Prozent positive Meinungen. Dann kehrten sich die Werte teilweise um: der Allensbacher Kooperationsanteil kam 2016 auf 50 Prozent zurück, und der Bedrohungsanteil fiel im Januar 2018 auf 28 Prozent (IfD 11081) und lag im Januar 2020 bei 36, im Dezember 2020 bei 41 und im Januar 2021 bei 32 Prozent (10.-20. Januar 2021, n=1.080), ehe er im Januar 2022 wieder auf 66 Prozent stieg. Das Vertrauen in Russland als Partner lag im DeutschlandTrend bei 25 gegen 71 Prozent (4.-5. April 2016, n=1.005), 21 gegen 74 Prozent (6.-7. Juni 2017, n=1.000) und 35 gegen 61 Prozent (11.-12. Februar 2019, n=1.003) -, und einer, den das Institut selbst abgedruckt hat, statt eines aus einer Differenz abgeleiteten. Pew verzeichnete 2018 35 Prozent positive Meinungen.
Seit 2022 sind die veröffentlichten Werte die niedrigsten der ganzen Reihe. Im DeutschlandTrend vom 31. Oktober bis 2. November 2022 (n=1.307) nannten 10 Prozent Russland einen Partner, dem Deutschland vertrauen kann, 85 Prozent nicht, und 86 Prozent nannten Russland eine Bedrohung für die Sicherheit der Welt. Am 4. und 5. März 2025 (n=1.325) standen 10 Prozent gegen 83 Prozent, bei Frankreich 85 Prozent, Großbritannien 78 Prozent und den USA 16 Prozent. Allensbachs Kooperationsfrage, gestellt vom 27. Januar bis 9. Februar 2023 (n=1.088, IfD 12067), setzte Russland auf 13 Prozent, gegenüber Frankreich 73 Prozent, den USA 66 Prozent und der Türkei 14 Prozent; der Bericht des Instituts vom 2. März 2026 (Feldarbeit 6.-19. Februar 2026, n=1.052, IfD 13014) druckt diese Reihe für 2000-2026 nur für Frankreich, Großbritannien, Polen und die USA nach und veröffentlicht keinen Russland-Wert. Der Anteil, der Russland als Bedrohung des Weltfriedens nannte, lag im Januar 2023 bei 82 Prozent, im Januar 2024 bei 75, im Januar 2025 bei 79 und im Januar 2026 bei 81 Prozent. Die Meinung über Putin, gut gegen nicht gut, ging von 12 zu 33 im Jahr 2000 über 43 zu 10 im Jahr 2001 auf 6 zu 81 im Februar 2023. Pews Wert für positive Meinungen lag in jedem Jahr von 2022 bis 2026 zwischen 10 und 16 Prozent. Einhellig ist das Urteil nicht. In der Allensbach-Umfrage vom Mai 2022 (n=1.118, IfD 12054, Tabelle A 9) meinten 36 Prozent, Deutschland solle möglichst schnell versuchen, wieder gute Beziehungen zu Russland aufzubauen (West 31 Prozent, Ost 57 Prozent), 44 Prozent verneinten dies (West 48 Prozent, Ost 26 Prozent), 20 Prozent waren unentschieden. Bei Pew lag das Vertrauen in Putin unter AfD-Anhängern 2018 bei 51 Prozent, 2024 bei 45 Prozent gegenüber 10 Prozent unter Nicht-Anhängern. Im Politbarometer lehnten nach der Vergiftung Nawalnys 21 Prozent die bestehenden Sanktionen ohnehin ab (14.-16. September 2020, n=1.241), 14 Prozent wollten Gas und Öl weiter importieren (5.-7. April 2022, n=1.230), und 46 Prozent erwarteten, dass der Krieg auf die Ukraine beschränkt bleibt (20.-22. Mai 2025, n=1.328), unter AfD-Anhängern 74 Prozent und unter BSW-Anhängern 72 Prozent.
Über die Russen selbst gibt es fast nichts. Keine der vier Reihen führt eine Langzeitfrage zu den Russen als Volk. Die einzigen gefundenen Werte auf der Ebene des Volkes stammen von Allensbach: eine Ähnlichkeitsfrage vom März 2012, in der 21 Prozent die Russen den Deutschen als "sehr/eher ähnlich" beurteilten und 79 Prozent als "eher/ganz anders", und eine Karte in der Sortierfrage zum Russlandbild, "Die Leute sind sehr gastfreundlich", die 2008 50 Prozent auf Russland bezogen, im April 2014 48 Prozent und im März 2015 53 Prozent.
Einmal hat Pew für deutsche Befragte ein Volk von seinem Staat getrennt, und zwar bei einem anderen Land: 2007 berichtete das Institut, "in Germany, for instance, 63% say they have a positive opinion of Americans compared with just 30% who rate the U.S. positively" (deutsche Feldarbeit 16.-30. April 2007, n=1.000). Eine entsprechende Frage zu den Russen wurde nicht gestellt. Keine Pew-Topline mit deutschen Daten von 2001 bis 2026 fragt Deutsche nach den Russen oder nach "the Russian people"; in keiner geprüften Ausgabe des ARD-DeutschlandTrend fand sich eine Frage zu Russen, russischen Staatsbürgern, Russlanddeutschen oder in Deutschland lebenden Russischsprachigen; keine der rund 300 Politbarometer-Veröffentlichungen enthält eine solche Frage, und keine Ausgabe des Berlin Pulse.
Die Umfragen, die sich mit Russischsprachigen in Deutschland befassen, sind Umfragen unter Russischsprachigen, nicht Umfragen zur Haltung der Mehrheit ihnen gegenüber. Die Boris-Nemzow-Stiftung (Boris Nemtsov Foundation) und Ipsos Deutschland befragten im August und September 2016 606 russischsprachige Deutsche zu Identität, Integration, Mediennutzung und ihrem Bild von Russland und dem Westen, ohne eine Frage zur Haltung der Mehrheit ihnen gegenüber; der ZOiS Report 5/2024 enthält kein Diskriminierungsmaß. Die einzige gefundene Frage auf Bevölkerungsebene stammt aus einer Blitzumfrage des DeZIM.panel vom 28. Februar bis 6. März 2022, in der es darum ging, in Deutschland lebende Menschen aus Russland mit Putins Politik zu konfrontieren - und das DeZIM selbst warnt, die Frage sei mehrdeutig und messe keine Ressentiments.
Quellen
- IfD Allensbach / FAZ, 'Eine Re-Nationalisierung des Denkens' (Schaubilder 2 and 3), 20. Juli 2011
- IfD Allensbach / FAZ, 'Der Groll ueber den grossen Bruder' (Schaubild 3), 17. September 2014
- IfD Allensbach / FAZ, 'Die Grenzen der Propaganda' (Tabelle A 3), 18. März 2015
- IfD Allensbach / FAZ, Renate Koecher, 'Die grosse Entfremdung' (Tabelle A 6), Mai 2018
- IfD Allensbach / FAZ, 'Fassungsloser Blick nach Moskau' (Tabelle A 2), Februar 2022
- IfD Allensbach / FAZ, Renate Koecher, 'Neues Leitbild Wehrhafter Frieden' (Tabelle A 9), 27. Mai 2022
- IfD Allensbach / FAZ, 'Verunsicherung und Friedenssehnsucht' (Schaubild 4), 16. Februar 2023
- IfD Allensbach / FAZ, Thomas Petersen, 'Eine Welt aus den Fugen' (Schaubild 1), 2. März 2026
- IfD Allensbach for Centrum fuer Strategie und Hoehere Fuehrung, Sicherheitsreport press releases 2021-2026 (HTML pages returned HTTP 500 when checked; PDF uploads and web.archive.org copies remain), Januar 2026
- tagesschau.de, ARD-DeutschlandTrend April 2007, April 2007
- tagesschau.de, ARD-DeutschlandTrend November 2013, 'USA so unbeliebt wie zu Bush-Zeiten', November 2013
- tagesschau.de, ARD-DeutschlandTrend November 2014, November 2014
- WDR/ARD Das Erste press release via presseportal, ARD-DeutschlandTrend December 2014, Dezember 2014
- infratest dimap, ARD-DeutschlandTREND April 2016 report (PDF), April 2016
- WDR/ARD Das Erste press release via presseportal, 'Vertrauen in die USA auf gleichem Niveau wie Russland' (ARD-DeutschlandTrend June 2017), Juni 2017
- WDR/ARD Das Erste press release via presseportal, ARD-DeutschlandTrend February 2019, Februar 2019
- WDR/ARD Das Erste press release via presseportal, ARD-DeutschlandTrend November 2022, November 2022
- WDR Presselounge, ARD-DeutschlandTREND March 2025, 6. März 2025
- Pew Research Center for the People & the Press, 'Bush Unpopular in Europe, Seen As Unilateralist' topline, 15. August 2001
- Pew Global Attitudes Project, 'Global Unease With Major World Powers' (report and topline), 27. Juni 2007
- Pew Global Attitudes, Spring 2010 topline ('Obama More Popular Abroad Than At Home'), 17. Juni 2010
- Pew Research Center, Spring 2014 topline ('Russia's Global Image Negative amid Crisis in Ukraine'), 9. Juli 2014
- Pew Research Center, Spring 2015 topline ('Russia, Putin Held in Low Regard around the World'), 5. August 2015
- Pew Research Center, Spring 2018 topline ('Image of Putin, Russia Suffers Internationally'), 6. Dezember 2018
- Pew Research Center, Spring 2021 topline ('America's Image Abroad Rebounds With Transition From Trump to Biden'), 10. Juni 2021
- Pew Research Center, Spring 2024 topline ('Views of Russia and Putin'), 2. Juli 2024
- Pew Research Center, Spring 2026 topline (global views of Russia; reprints the German trend for Q3f and Q10c), 6. Juli 2026
- Pew Research Center, International Survey Methods database (fieldwork dates and sample sizes 2014-2026), September 2026
- ZDF-Politbarometer August 2008 (Forschungsgruppe Wahlen), August 2008
- ZDF-Politbarometer November II 2014 (Forschungsgruppe Wahlen), November 2014
- ZDF-Politbarometer Februar I 2019 (Forschungsgruppe Wahlen), Februar 2019
- ZDF-Politbarometer September 2020 (Forschungsgruppe Wahlen), September 2020
- ZDF-Politbarometer April I 2022 (Forschungsgruppe Wahlen), April 2022
- ZDF-Politbarometer Februar II 2024 (Forschungsgruppe Wahlen), Februar 2024
- ZDF-Politbarometer Mai II 2025 (Forschungsgruppe Wahlen), Mai 2025
- ZDF-Politbarometer Juni II 2026 (Forschungsgruppe Wahlen), Juni 2026
- Boris Nemtsov Foundation / Ipsos, 'Russian-speaking Germans: Survey Research Results', Oktober 2016
Stand der Dinge
Belegt: datierte, zuordenbare Reihen zur Staatsebene von Allensbach (Russland-Fragen 1996-2026), Pew (2001-2026), ARD-DeutschlandTrend (2007-2025) und ZDF-Politbarometer (2008-2026). Nicht belegt: irgendeine deutsche Langzeitmessung der Haltung gegenüber den Russen als Volk oder gegenüber Russischsprachigen in Deutschland; der Bestand ergab nur vereinzelte Allensbach-Fragen (2008, März 2012, April 2014, März 2015) und keine solche Frage im DeutschlandTrend, im Politbarometer, bei Pew oder im Berlin Pulse. Vorbehalte: sieben Werte des DeutschlandTrend sind aus gedruckten Differenzen abgeleitet und nicht vom Institut gedruckt, und die Lücken dieser Reihe sind kein Beleg dafür, dass die Frage nicht gestellt wurde; die Werte des Sicherheitsreports von Januar 2023 bis Januar 2026 stützen sich auf Pressemitteilungen, deren Hostsite zum Prüfzeitpunkt HTTP 500 lieferte, wobei die PDF-Uploads und die Kopien bei web.archive.org erhalten bleiben; Pews frühere Seiten der Global Indicators Database zu den beiden Russland-Fragen liefern inzwischen 404, sodass die Topline-PDFs der prüfbare Beleg sind; die Feldzeitangabe im Allensbach-Bericht vom Mai 2022 lautet "6.5. bis 18.05.2021", offenkundig ein Tippfehler für 2022; die Allensbach-Dokumente vom Juli 2011 und Mai 2018 drucken für die zitierten Werte keine Stichprobengrößen; der Allensbach-Ähnlichkeitsfrage vom März 2012 fehlt eine feste Berichts-URL; und Zahlen von Körber, Forsa und YouGov bleiben mangels prüfbarer URL ausgespart.